Mensch & Hund als Sozial- und Bindungspartner

Eine soziale Einheit zwischen Hund und Mensch soll dem Wohle beider dienen und dem Hund die Möglichkeit geben, gefühlsvermittelnde Verhaltenweisen artgerecht zu zeigen/entwickeln. 

 

 

Hunde orientieren sich an uns, reagieren auf unsere Befindlichkeit, richten ihre Entwicklung an uns aus. Hunde brauchen mehr als nur Belohnung.  Wir dürfen nicht im lerntheoretischem  Handeln stecken bleiben. Öffnen wir uns ihnen, lassen wir uns ein, bieten wir uns als Sozialpartner an.

 


Der Mensch-Hundkontakt unterscheidet sich

von allen anderen Mensch-Tier Kontakten

 

Es gibt etliche Ähnlichkeiten im Sozialverhalten und eine auffallende soziale wie emotionale Affinität. Hunde haben eine Begabung als "Menschenversteher". Sie gleichen sich an, passen sich ein und verstehen uns emotional. Bei einer gelungenen Sozialisation und enger Bindung kooperieren sie mit uns über feinste Gesten, Bewegungen, Blickkontakte und Berührungen.

Hunde beobachten den Menschen sehr genau und können unser Ausdrucksverhalten sehr gut Befindlichkeiten zuordnen. Sie können sich excellent auf den Menschen einstellen. Die Domestikation hat dazu geführt, dass der Mensch als Bindungspartner für den Hund wichtiger wurde als Artgenossen.

 

 

Der Hund ist kein verkleideter Wolf

 

Es gibt deutliche Unterscheide in der Bindung und Bereitschaft

zur Zusammenarbeit mit dem Menschen. Wölfe lassen sich kaum trainieren und ziehen Artgenossen als Sozialpartner, ganz in Gegensatz zum Hund, vor.

Caniden und Menschen passen zusammen, ihre analoge Kommunikation führt uns zurück zum Gesamtsystem der Natur.

 

Wissenschaftler vermuten, dass zwischen Mensch und Hund eine Koevolution stattgefunden hat. Beide Arten konnten durch das Zusammenleben neue Fähigkeiten entwickeln. Nicht umsonst gibt es den Terminus:

 

 

„Zeige mir deinen Hund

und ich sage dir, wer du bist“


Zugegeben, Hunde können nicht sprechen, sie können mir nicht mitteilen wie sie sich in meiner Obhut  fühlen. Allerdings, wenn ich meinen Hunden zuschaue, wie sie spielen, rennen, schmusen... spüre ich ihre Lebensfreude und erkenne intuitiv, sie genießen ihre Existenz. Diese Lebensfreude, die bedingungslose, direkte und unkomplizierte Art zu lieben habe ich selten erlebt und sie hat mich verändert. Ich wurde freundlicher, verzeihender, offener.

 

Wer kann sich der Faszination und der ansteckenden Freude spielender und kommunizierender Hunde entziehen? Wir können von Hunden und anderen Tieren lernen uns immer wieder und auch in anderen Welten neu zu erfahren. Wir empfinden Empathie, fühlen mit Ihnen und übertragen unsere Gefühle nonverbal und durch Ausdrucksverhalten. 

 

 

Gefahren der Mensch- Hund Beziehung


Hunde werden als Besitz betrachtet, sie sollen gefallen, der Ich- Erweiterung und Erbauung ihrer Halter dienen. Sie müssen funktionieren und gefallen. Es ist erlaubt, sie zu mißbrauchen, sie werden als Eigentum betrachtet und wie Gegenstände ein- und ausgesetzt. Sie sind der vielfältigsten Verwahrlosung preisgegeben, operationalisiert als Sportgerät, gezüchtet, verbraucht und verworfen, als Renommierobjekte missachtet oder als Ersatz für geliebte Menschen missverstanden.


Hundetraining ist oftmals keineswegs ganzheitlich ausgerichtet und fokussiert nur eine,  möglichst passgenaue Funktionalität in unserem Sinne. Die hohe emotionale Intelligenz der Hunde und ihre überaus beglückenden sozialen Fähigkeiten bleiben dabei oftmals auf der Strecke.


Woher kommt der Hund?

Der genetische Code, die DNA von Wölfen und Hunden ist zu 99,96% identisch. Die Wissenschaft ist sich einig, dass der heutige Haushund definitiv vom Grauwolf (Canis lupus) abstammt. Dennoch ist er als ein eigenständiges Tier  und nicht als unbedeutender Ableger des Wolfes anzusehen.

 


15.000 - 35.000 Jahre Domestikation haben den Hund verändert. Etliche subtile und komplexe Facetten wölfischen Verhaltens hat er abgelegt, dafür andere hinzugefügt.

 

Seine Abstammungslinie reicht viel weiter zurück und führt zu längst ausgestorbenen Kaniden.  Hunde gehören zu der großen Gattung der Kaniden (der Hundeartigen) wie Goldschakale, Kojoten, Cupelo-Füchse, Wölfe...

 

Allen gemeinsam ist eine grundlegende Anatomie, der feine Geruchssinn, die Begabung zum Apportieren und die Fähigkeit, dauerhaft soziale Bindungen einzugehen. Dazu gehört auch ein reichhaltiges Vokabular für die Kommunikation untereinander.

 

 

☛ aus John Bradshaw  - Hundeverstand –

Kynosverlag, London 2011:

 

Aktuell ist man sich darüber einig, dass das Genom der Kaniden eher mit einem Schweizer Messer vergleichbar ist, bzw. eine Art „soziale Werkzeugkiste“ ist, die dem evolutionären Wandel

überstanden hat und alle Instrumente enthält, die erforderlich sind, um für eine Vielzahl von Lebensbedingungen gewappnet zu sein. Von einem Leben als Einzelgänger, wenn die Zeiten hart sind, bis hin zu komplexen Lebensgemeinschaften, wenn viel Nahrung vorhanden ist und es kaum Verfolgung gibt.

 

Dass der Haushund sich so perfekt an das Zusammenleben mit Menschen anpassen kann, gilt daher nicht als eine spezifische Abfolge von Veränderungen, die erst mit dem Grauwolf begonnen haben, sondern eher als ein neues Anwendungs-gebiet für diese uralte „soziale Werkzeugkiste“ der Kaniden, die dem Hund die Fähigkeit verleiht, sich nicht nur mit Angehörigen der eigenen Spezies zu sozialisieren sondern auch mit dem Menschen.  

Somit wird er zum Grenzgänger zwischen den Arten und steht damit einmalig in der Tierwelt da.

 

 

Terra X Dokumentation

 

- Geschichte der Tiere: Der Hund

Vom Lagerwolf zum treuen Wegbegleiter des Menschen


weitere Themen folgen . . .